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Im 9. Jahrhundert erwähnte eine Schriftquelle zum ersten Mal einen Ort namens "Nordilinga". Von dieser karolingischen Siedlung bis zum modernen Nördlingen war jedoch ein langer Weg. Bis 1803 hatte die Stadt den Status einer "freien Reichsstadt" inne. Das heißt, sie war ab 1215 unmittelbar dem kaiserlichen Befehl unterstellt.Die Bürger unterlagen einem Stadtrecht, das für alle Gleichheit bot. Sie konnten frei über ihren Besitz verfügen, hatten aber auch die Pflicht, das Gemeinwesen zu schützen und die Obrigkeit zu achten. Mit diesen Freiheiten schuf sich Nördlingen wirtschaftlichen
Wohlstand.

Wehrhafte Reichstädter

1.Die Nördlinger Bürger waren sich der Vorteile ihrer reichsstädtischen Freiheiten sehr bewusst. Sie schützten sich und ihre Rechte durch die Stadtmauer und ihre Waffen. Selbst Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut konnte Nördlingen 1485 nicht einnehmen. Auch im Dreißigjährigen Krieg widerstanden die Mauern erfolgreich den mehrfachen Anstürmen der feindlichen Truppen. Jeder Bürger von Nördlingen war zum Besitz einer Waffe verpflichtet und hatte Wachdienst an der Mauer zu leisten. Diesen Wachdienst führten die Zünfte durch, die für den Schutz bestimmter Mauerabschnitte verantwortlich waren.

Der besondere Status der "freien Reichsstadt" und der Wohlstand erklären das ausgeprägte Selbstbewußtsein der Bürger. Es fand seinen Ausdruck in einer besonderen Freude an Repäsentation: Das Nördlinger Wappen, der Reichsadler schmückte öffentliche wie private Gebäude und Gegenstände. Wirtschaftliche und politische Verbindungen zu anderen Reichsstädten wie nach Ulm, Augsburg und Nürnberg entstanden. Durch prächtige Geschenke wurden Kontakte untereinander gepflegt, Einfluss geltend gemacht. Obwohl Nördlingen heute eine von vielen Städten in Bayern ist, lässt sich der Bürgerstolz der "Reichsstädter" noch vielfach zeigen.

Als 1427 der Bau der St. Georgskirche - einer der größten Hallenkirchen Süddeutschlands - begann, war Nördlingen bereits eine wohlhabende Stadt, die unter dem Schutz des Kaisers waltete und mit einer wachsenden Zahl von Privilegien und Freiheiten ausgestattet war. Doch erst sieben Jahre später sollte die Stadt in einer Urkunde den verfassungsrechtlich eindeutig als "Reichsstadt" bezeichnet werden. Eine jährlich in Nördlingen stattfindende Warenmesse, die Pfingstmesse, sorgte für Geldfluss und Austausch von Informationen. Wohlhabende Kaufleute wurden zu finanzkräftigen Auftraggebern von Künstlern und Handwerkern. Dennoch gab es in dieser Zeit auch politische Konflikte mit negativen finanziellen Auswirkungen, vor deren Hintergrund das gewaltige Bauprojekt umso bemerkenswerter erscheint. Politik, Handel und Kunst waren ineinander verwobene, aufeinander Einfluss nehmende Faktoren.

Nördlingen im 15. Jahrhundert

Die Verteidigung der Reichsfreiheit gehörte zu den wesentlichen Zielen städtischer Politik, wofür die Beteiligung an Bündnissen und Feldzügen verpflichtend war, erhoffte man sich doch im Falle eigener Gefährdung ebenfalls Unterstützung durch den Kaiser oder die Bundesgenossen. Kriegerische Auseinandersetzungen stellten somit eine große Belastung der städtischen Kasse dar.Nach dem Schwäbischen Städtebund trat Nördlingen 1488 in den Schwäbischen Bund ein und sicherte zusammen mit anderen Ständen Schwabens die Erhaltung des Landfriedens. Die Reichsstadt lag inmitten der Grafschaft Oettingen und war neben ihren Bündnisverpflichtungen stets auch damit befasst, ihre reichsstädtische Freiheit vor den unmittelbar konkurrierenden feudalen Territorialherren zu verteidigen: 1440 konnte der legendäre überfall des Grafen Hans von Oettingen vereitelt werden. 1442 mußte Nördlingen den Reiterüberfall des Ritters Anselm von Eyberg während des Scharlachrennens abwehren. 1485 belagerte Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut sechs Wochen lang die mauerumwehrte Stadt erfolglos.

Neben der Verteidigung der Stadt durch die wehrhaften reichsstädtischen Bürger musste Nördlingen zusätzlich für Truppen und Gelder zur Unterstützung kaiserlicher Interessen aufkommen: Kaiser Friedrich III. erhielt im Kampf gegen Karl den Kühnen während der Belagerung von Neuss 1474 und 1475 finanzielle Zuwendungen von 7663 Gulden und 20.133 Pfund sowie Soldaten gestellt. Weitere Truppenkontingente schickte Nördlingen 1480 gegen Mathias Corvinus von Ungarn oder 1488 zur Befreiung Maximilians I. aus seiner Gefangenschaft in Brügge. Der sog. Städtekrieg der schwäbischen Reichsstädte (1448-1453) belastete Nördlingen finanziell so schwer, dass von den Bürgern die doppelte Vermögenssteuer erhoben werden musste.

Nördlingen im 15. Jahrhundert

Am 17. Oktober 1427 beschlossen die Bürger des Großen und des Kleinen Rats der freien Reichsstadt Nördlingen den Bau einer neuen "Pfarrkirchen". Es war der Beginn des größten Bauprojekts nach der Errichtung der Stadtmauer 1327 und forderte von den Bürgern große finanzielle Anstrengungen, denn ungeachtet der Bautätigkeit an der neuen Kirche galt es an der Mauer zu investieren, erste Veränderungen und Verbesserungen vorzunehmen, um deren Wehrfähigkeit zu erhalten. 

Die Finanzierung der Arbeiten an der Stadtmauer war in den Jahren 1407 bis 1448 durch die Erhebung des sog. "Grabgeldes" gesichert, das der Stadt nach den Stadtkammerrechenbüchern jährlich Spitzeneinnahmen bis über 500 Pfund einbrachte. Darüber hinaus wurden immer wieder Strafgelder verwendet oder Bestrafte zu Sachleistungen verpflichtet, die zweckgebunden zum Bau der Mauer eingesetzt wurden. Der Kirchenneubau dagegen finanzierte sich hauptsächlich durch bürgerliche Schenkungen. Das 1427 angelegte Schenkungsbuch zeigt, dass große und kleine Geld- und Sachspenden dafür angenommen wurden: Otilia Frenckin verschenkte z. B. einen Krautgarten, der zwischen dem Deininger und dem Reimlinger Tor gelegen war. Conrad Wüste dagegen gab einen Rock und einen Mantel. Während die Tochter eines Weinschenk 15 Gulden gab, konnte Frau Elspeth Kräpfin nur 3 Gulden entbehren. Zusätzlich zu den Bürgerspenden sollten Erlöse aus einem Ablass, den Kardinallegat Giuliano Cesarini 1431 gewährte, zur Baufinanzierung beitragen. Papst Sixtus IV. bewilligte in einer Bulle vom 9. Februar 1479 einen weiteren Ablass, der auf vier Jahre festgesetzt war: Um diesen Ablass zu erhalten, hatten die Gläubigen beim Besuch der Georgskirche - von den üblichen Bedingungen wie Buße und Beichte abgesehen - das zu spenden, was sie "zu ihrem Lebensbedarfe für eine Woche verbrauchten" . 

Die Ausstattung der Georgskirche übernahmen in erster Linie bürgerliche Stifter, die für Gewölbe, Glasfenster und Altäre aufkamen. Neben der Huldigung Gottes und der Heiligen war es eine gute Möglichkeit, die privilegierte soziale Stellung einer Familie, Person oder Körperschaft öffentlich zu demonstrieren. Von ihren Aufträgen lebten Handwerker und Werkstätten wie die des Malers Friedrich Herlin.

Das Mittelalter ( 8. - 15. Jh. )

Es beginnt die Zeit der schriftlichen Zeugnisse. Die archäologisch belegbaren Höfe erhielten 898 einen Namen. In der Schenkungsurkunde an den Bischof von Regensburg wurden sie "Nordilinga" genannt.

Im 9. Jahrhundert erwähnte eine Schriftquelle zum ersten Mal einen Ort namens "Nordilinga". Von dieser karolingischen Siedlung bis zum modernen Nördlingen war jedoch ein langer Weg. Bis 1803 hatte die Stadt den Status einer "freien Reichsstadt" inne. Das heißt, sie war ab 1215 unmittelbar dem kaiserlichen Befehl unterstellt.Die Bürger unterlagen einem Stadtrecht, das für alle Gleichheit bot. Sie konnten frei über ihren Besitz verfügen, hatten aber auch die Pflicht, das Gemeinwesen zu schützen und die Obrigkeit zu achten. Mit diesen Freiheiten schuf sich Nördlingen wirtschaftlichen
Wohlstand.

Neues

    • Lapidarium

      Im Reihl-Haus zeigen Steindenkmäler wie z.B. der römische Weihestein Nördlinger Geschichte.  Besichtigung im Rahmen einer Stadtführung. Buchung Tourist-Info Tel. 09081/84-216.

    • Sebastian Taig

      Sebastian Taig ist neben Herlin und Schäufelin der dritte große Nördlinger Künstlername. Den Bericht über die jüngste Forschungsarbeit finden Sie hier.

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