Museum

12.05.2003

Neue Ausstellung im Stadtmuseum auch abends zu sehen (pm). Mit der zweiten Museumsnacht wurde im Stadtmuseum eine ungewöhnliche Ausstellung eröffnet, die noch bis 1. Juni zu sehen, besser noch anzulangen ist. 'Mittelalter be-greifen' ist ein Sinneserlebnis für Kinder und Erwachsene, das natürlich vor allem in der Dunkelheit seine volle Anziehungskraft entfaltet. Dem großen Andrang in der Museumsnacht trägt das Stadtmuseum nun mit weiteren Abendöffnungen Rechnung. Mit seiner gotischen Kirche, der rundum begehbaren Stadtmauer und seinen alten Häusern wird Nördlingen von Einheimischen und Fremden stets als 'mittelalterliche Stadt' erlebt und angesprochen. Doch wie muss man sich die Zeit des Mittelalters wirklich vorstellen? Die Stadtmauer war in den Jahren nach 1327 eine riesige Baustelle. Viele Neubürger drängten in die Stadt und bevölkerten die Gassen zwischen den meist in Holzbauweise errichteten Häusern. 1427 erhielten die Nördlinger mit der Errichtung der Georgskirche die zweite Großbaustelle. Die Stadt war quietschlebendig... Und was dachte der Einzelne, was aßen die Armen und wie kleideten sich die Reichen? War die Uhr schon erfunden und wie roch es auf der Straße...? Die spätmittelalterlichen Tafelbilder im Stadtmuseum Nördlingen bieten farbige Einblicke in das Leben der Menschen zwischen 1300 und 1400. Um die Bilder verständlich zu machen, wurden in dieser Sonderausstellung Wege der Vermittlung genutzt, die schon seit langem in der Behindertenarbeit angewandt werden: Ein Labyrinth führt den Besucher durch die abgedunkelte Ausstellung zu sechs Themen-Inseln. Dort geben kleine 'Gucklöcher' den Blick gezielt auf einzelne, beleuchtete Bildausschnitte der mittelalterlichen Tafelbilder frei. An sechs Mitmach-Stationen erfahren Kinder und Erwachsene durch Ausprobieren die Zusammenhänge zwischen mittelalterlicher Lebensrealität und den religiösen Darstellungen auf den Holztafeln. Auch für Schulklassen Die Ausstellung, die vor allem auch für Schulklassen geeignet ist, ist ein Gemeinschaftsprojekt der Hermann-Keßler-Schule Möttingen mit dem Stadtmuseum Nördlingen im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen und soll im Anschluss der Lebenshilfe zur Verfügung stehen. Die Ausstellung im Nördlinger Stadtmuseum ist noch bis 1. Juni täglich außer Montag 13.30 bis 16.30 Uhr zu sehen. Führungen für Schulklassen sind jederzeit nach telefonischer Anmeldung möglich: 09081/2738230. Sondertermine zur Nachtbesichtigung von 20.30 bis 23 Uhr: jeweils Freitag und Samstag, 16., 17., 23., 24., 30. und 31. Mai. Rieser Nachrichten vom 12.05.2003

Rieser Nachrichten vom 04.03.2003

Zur Eröffnung der diesjährigen Saison im Stadtmuseum grub Museumsleiterin Andrea Kugler Kleinodien aus, die wieder einmal beweisen, dass Kunst und Spaß gut vereinbar sind: Karikaturen von Johann Michael Voltz (1784 bis 1858), die durchaus etwas von der Klasse Wilhelm Buschs haben. Anfang des 19. Jahrhunderts sammelte der Nördlinger Künstler Johann Michael Voltz Arbeitserfahrungen in Augsburg und Nürnberg und fand schließlich im Münchener Campe-Verlag als Druckgraphiker Anstellung. Es war eine Zeit der Umbrüche, nach den Napoleonischen Kriegen etablierte sich der Deutsche Bund, Nationalgefühl kam auf, die Ideen der französichen Revolution wurden weitergetragen. Quasi als Gegengewicht zu den politischen Bewegungen hielt beim Militär und in den Amtsstuben rigides, althergebrachtes kleinstaatliches und kleinkariertes Denken die Stellung, buchstabenhörige Bürokratie erstickte jedes eigenständige Denken. Viele Menschen waren unzufrieden mit diesem Staatsapparat und gerieten überdies in der schnelllebigen Zeit in wirtschaftliche Schwierigkeiten - Parallelen zu heute sind also erkennbar. Für Museumsleiterin Andrea Kugler war denn auch die heutige Politikverdrossenheit und Verunsicherung der Menschen einer der Hauptgründe, den humorvollen Umgang damit zum Gegenstand einer Sonderausstellung zu machen. Johann Michael Voltz machte sich als Karikaturist über die die muffigen Verhältnisse lustig. Allerdings lasteten nach den Karlsbader Beschlüssen von 1819, die als Reaktionen auf Unruhen im Bürgertum erfolgten, verschärfte Zensuren auf Autoren und Künstlern. Voltz verlegte seine Kritik also ins imaginäre ?Krähwinkel? mit seinen skurrilen, aber harmlosen Bürgern. Die Karikaturen beinhalteten die relativ harmlose bildliche Darstellung damaliger Redensarten: So findet sich unter dem Ausstellungstitel ?Der Amtmann liegt in den letzten Zügen? ein Trunkenbold, der gerade die Schnapsflasche in einigen Zügen leert. Wörtlich genommen wird auch, wie die Ratsherren einen Bock schießen, der Bürgermeister die Sitzung aufhebt, indem er ein Sofa voller Stadträte lüpft oder, im militärischen Bereich, der General schwungvoll ?Fußvolk in die Festung wirft?. Obwohl er Nördlinger war, konnte Andrea Kugler in den dargestellten Typen keine ähnlichkeiten mit realen Honoratioren von Abbildungen jener Zeit finden. OB Paul Kling sah zwar Parallelen in der Situation Nördlingens mit der dargestellten Stadt von Voltz - wie die kommunale Finanznot - , unterstrich aber, dass sich Nördlingen trotz gewisser Missgeschicke nicht als Schildbürgerstadt zu fühlen brauche. Kling dankte Andrea Kugler, dass sie wieder ?einen kleinen Schatz gehoben? hätte und ehrte die kürzlich verstorbene Mäzenin Lucie Schlierf, die Nördlingens Kultur durch viele Schenkungen bereichert hatte.

 

Rieser Nachrichten vom 04.03.2003

Unterkategorien

Neues

    • Lapidarium

      Im Reihl-Haus zeigen Steindenkmäler wie z.B. der römische Weihestein Nördlinger Geschichte.  Besichtigung im Rahmen einer Stadtführung. Buchung Tourist-Info Tel. 09081/84-216.

    • Sebastian Taig

      Sebastian Taig ist neben Herlin und Schäufelin der dritte große Nördlinger Künstlername. Den Bericht über die jüngste Forschungsarbeit finden Sie hier.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Ablehnen