Museum

Bürger konnte in Nördlingen nur werden, wer Mitglied einer Zunft war. Der Zunftzwang forderte, dass jeder Handwerker nach der Zunftordnung den Treueid schwor. Die Regeln waren streng: neben ehelicher Geburt gebot die Zunft einen sittsamen Lebenswandel und handwerkliches Können Ein gewählter Zunftmeister, oder -vorgeher und zwölf (oder sechs) Geschworene überwachten die Einhaltung der Ordnung: ein Zunftgericht entschied kleinere Streitigkeiten, der Zunftknecht nahm entsprechende Strafen vor, zwei Büchsenmeister verwalteten das Vermögen, die Zeichenmeister prüften die Waren. Die Zunft achtete auf die Wahrung der Zunftrechte und die Pflege ihrer Einrichtungen

Die Herberge war geselliger Treffpunkt und Versammlungsort der Handwerker. Einheimische wie Fremde konnten sich dort "beherbergt" fühlen. In Nördlingen gab es keine eigenen Zunfthäuser für diese Treffen. Man nützte Gasthäuser, die durch repräsentative Stuben- oder Tischzeichen als Herberge einer bestimmten Zunft gekennzeichnet waren. Doch auch hier galten strenge Regeln, die in der Ordnung festgeschrieben waren. Zu bestimmten Versammlungen galt Anwesenheitspflicht. Zänkereien, lautes Fluchen, Würfelspiel sowie unmäßiges Essen und Trinken waren untersagt und wurden abgestraft. Die Straf- und Zunftgelder dienten dazu, kranken oder wandernden Gesellen zu helfen, Handwerkerwitwen zu unterstützen oder Sakralgegenstände zu stiften.

Die Lodweber bildeten die größte Zunft in Nördlingen; sie webten ein starkes, durch kräftiges Walken verfilztes Wolltuch, - den Loden.
Rieser Schafhaltung und die Nördlinger Messe als Umschlagplatz boten für Herstellung und Verkauf ideale Bedingungen. 1349 erstmals erwähnt, bekamen die Loder 1453 eine vom Rat der Stadt erlassene Ordnung. Als Herberge nutzten sie zuletzt ab 1850 das Gasthaus "Zur Rothen Rose". Am Festtag ihres Schutzheiligen, des hl. Severus zog die Lodweberzunft mit Musik und den Handwerksinsignien von der Herberge zu Spiel und Tanz hinaus auf den Loderanger.
Die Konkurrenz industriell gefertigter Ware ließ die Lodweberei in Nördlingen schließlich verarmen und aussterben. 1920 ist die letzte Weberei in der Stadt registriert. Bekannt wurde die Geschichte des Lodwebers Georg Cratzer durch den Jugendroman "Der Bleisiegelfälscher", den Sie in unserem "Museumsladen" bestellen können!

1506 erstmals nachgewiesen, gab es Meistersinger in Nördlingen bis gegen 1612. Schon 1557 klagten sie allerdings über mangelndes Publikum und finanzielle Probleme In der Regel waren es Handwerker verschiedener Berufe, die sich in dieser speziellen "Schule" zusammenfanden. Neben dramatischen Aufführungen wurden regelmäßig "Singschulen" - Gesangeswettbewerbe - abgehalten. Der erste Sieger erhielt als Preis das "Schulkleinod", das Nördlinger Meistersingerzeichen. Die in sog. "Tabulaturen" zusammengefassten Kunstregeln und Liedersammlungen sind verloren gegangen. Eines der wenigen überlieferten Werke ist das bewegende Gedicht über eine Frau namens Eva Barbierer, die 1565 in Nördlingen mit dem Schwert hingerichtet wurde.

Neues

    • Lapidarium

      Im Reihl-Haus zeigen Steindenkmäler wie z.B. der römische Weihestein Nördlinger Geschichte.  Besichtigung im Rahmen einer Stadtführung. Buchung Tourist-Info Tel. 09081/84-216.

    • Sebastian Taig

      Sebastian Taig ist neben Herlin und Schäufelin der dritte große Nördlinger Künstlername. Den Bericht über die jüngste Forschungsarbeit finden Sie hier.

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