Museum

Nördlingen lag im Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen, die die großen mittelalterlichen Städte verbanden.

1219 erstmals urkundlich erwähnt, wurde die Nördlinger Pfingstmesse später durch die Verleihung weiterer Privilegien rechtlich abgesichert. Dazu gehörte das Recht, die Gerichtshoheit über alle Messebesucher auszuüben. Die Messe fand in der Innenstadt statt. Rathaus, Tanzhaus, Fleischbank und Herrentrinkstube dienten als Messehäuser. 

Viele Straßen- und Platznamen wie Weinmarkt, Brettermarkt und Eisengasse, weisen noch heute auf die verschiedenen Handelsgüter hin. Außer Waren lokaler Herstellung wie Wolle, Tuch, Leinen oder Leder wurden auch Eisen, Wein und Salz, ebenso Glas, Gewürze und Korallen angeboten, die über weite Strecken herangeschafft werden mussten.

Als Folge der Entdeckung Amerikas und der Erschließung neuer Märkte, verlor Nördlingen nach 1500 als Messe- und Handelsstadt immer mehr an überregionaler Bedeutung Ab dem 20. Jahrhundert standen Schausteller und Fahrgeschäfte im Vordergrund, die die Lust nach Abwechslung und Vergnügen stillten. Platzmangel und Verkehrsprobleme hatten 1964 die Verlegung der Messe von der Innenstadt auf die Kaiserwiese zur Folge. Mit der "Rieser Verbraucherausstellung" wurde 1972 die alte Messetradition wieder aufgenommen. Nach wie vor findet alljährlich 14 Tage nach Pfingsten die Nördlinger Messe statt und es heißt allgemein: "Os gohnt en d Mess".

Trotz der allgegenwärtigen Gefahr militärischer Auseinandersetzungen um die Mitte des 15. Jahrhunderts war die Pfingstmesse in Nördlingen auch weiterhin ein Wirtschaftsfaktor, mit dem sich die Reichsstadt von anderen bedeutenden Städten wie Nürnberg oder Augsburg absetzte. Der Einzugsbereich der Warenmesse erstreckte sich über ganz Oberdeutschland. Kaufmannsgruppen aus den verschiedensten Regionen wurden in Nördlingen aktenkundig. Nördlinger Messeeinladungen wurden nach Lindau, St. Gallen, Straßburg, Frankfurt, Regensburg, Leipzig, Erfurt, aber auch nach Worms, Speyer und Heidelberg versandt. über die niederrheinischen Orte Aachen, Köln und Frankfurt florierte der Handel mit den Textil- und Kunstzentren in Flandern und Brabant. Ein wichtiges Messeprodukt waren Tuche aus Mecheln, Ypern, Brügge und Leiden, die teils direkt oder aber über die Vermittlung rheinischer Kaufleute gehandelt und nach Nördlingen gebracht wurden.

Die Kaufleute transportierten neben Handelswaren auch Modeströmungen und Gedankengut aus den künstlerisch wegweisenden Niederlanden und dem Rheinland nach Nördlingen. Bedingt durch ihren Wohlstand, ihre Bildung und Kunstkenntnis gehörten diese Händler in Nördlingen wie auch in anderen Städten nicht nur zu den übermittlern von Informationen, sondern auch zu den wichtigsten Auftraggebern von Kunstwerken und vertraten darüberhinaus häufig sehr moderne Ansichten. Vor dem Hintergrund des regen Handelsgeschehen in Nördlingen sind auch die Werke des Malers Friedrich Herlins zu verstehen, der Altäre und Epitaphien im Auftrag von Kaufmannsfamilien in moderner niederländischer Manier arbeitete.

Welch drängende Enge und Betriebsamkeit während der Messe in der Stadt geherrscht haben muss, zeigt der Vergleich von Einwohnerzahlen und Messebesuchern: Um 1450 lebten innerhalb der Nördlinger Stadtmauern rund 5.300 Einwohner, 1468 kamen 1.100 Messebesucher, davon 214 Gewandhändler in die Stadt. Dank der zahlreichen Händler und Messebesucher in Nördlingen entstanden sogar räumliche Engpässe, die 1466 zum Bau des als "Paradies" bezeichneten Handelshauses führten, das neben dem "Hafenhaus" das zweite Messehaus am Leutberg war.

Neues

    • Lapidarium

      Im Reihl-Haus zeigen Steindenkmäler wie z.B. der römische Weihestein Nördlinger Geschichte.  Besichtigung im Rahmen einer Stadtführung. Buchung Tourist-Info Tel. 09081/84-216.

    • Sebastian Taig

      Sebastian Taig ist neben Herlin und Schäufelin der dritte große Nördlinger Künstlername. Den Bericht über die jüngste Forschungsarbeit finden Sie hier.

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