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Hallstattzeit (750 - 450 v. Chr.)

Macht und Reichtum frühkeltischer Herrscher manifestieren sich auch in der aufwendigen Ausstattung ihrer Gräber. Zu den kostbarsten Grabbeigaben gehören die Gegenstände, die aus den großgriechischen Kolonien in Süditalien und Südfrankreich sowie aus Etrurien importiert wurden. Der erste Nachweis für ein Fürstengrab im Ries gelang 1989 durch die Auffindung einer etruskischen Bronzestatuette bei Ehringen. Die kleine Bronzefigur, die einst ein Tafelgerät, einen Kandelaber oder einen Weihrauchständer zierte, wurde um 500 v. Chr. in einer etruskischen Werkstatt gefertigt. Zu dieser Zeit erreichte die Zivilisation der im nördlichen Mittelitalien beheimateten Etrusker ihren Höhepunkt. Die vornehmen etruskischen Familien ließen sich in Kammergräbern bestatten, deren Wände bemalt waren. Unter den Darstellungen finden sich oft Tänzer, die in der gleichen Haltung eingefangen sind, wie das Bronzefigürchen aus dem Ries.

Latènezeit (450 - 15 v. Chr.)

Im jüngeren Abschnitt der Eisenzeit ist der Name der Bewohner Süddeutschlands erstmals sicher überliefert. Griechische Historiker berichten von den Kelten. Zwischen Hallstatt- und früher Keltenzeit ist kein Bruch festzustellen. Auch im Ries wurden die Wohnplätze und Friedhöfe weiterbenutzt.
Im Gegensatz dazu brach die Besiedlung im 4. und 3. Jh. v. Chr. fast ab. Mit Ausnahme des Goldberges wurden alle Siedlungen aufgegeben. Dies hängt mit den Wanderungen und kriegerischen Beutezügen der Kelten zusammen, die zu dieser Zeit massiert in die Städte der Mittelmeerländer einfielen. Erst mit dem Einsetzen der spätkeltischen Zivilisation beginnen auch im Ries wieder die Funde. Die ersten stadtartigen Siedlungen nordwärts der Alpen entstanden. Im Ries ist noch kein keltisches 'oppidum' sicher nachgewiesen. In Frage kommen die Wallanlagen auf den Ipf und auf den Burgberg bei Heroldingen. Die Auseinandersetzungen mit der griechischen und römischen Welt hinterließ bei den Kelten ihre Spuren. Münzprägungen zeigen den Wandel vom Tauschhandel zur Geldwirtschaft. Die Herstellung von Glas und Drehscheibenkeramik verrät neue technische Kenntnisse.
Die ersten stadtartigen Siedlungen nordwärts der Alpen entstanden. Im Ries ist noch kein keltisches "oppidum" sicher nachgewiesen. In Frage kommen Wallanlagen auf dem Ipf und auf dem Burgberg bei Heroldingen.

Hallstattzeit (750 - 450 v. Chr.)

Unter den Siedlungsplätzen war die Zahl der Höhensiedlungen, die meist befestigt sind, auch im Ries auffallend groß. Bestattungen erfolgten in Grabhügeln, die wie in Belzheim oder Hochaltingen mit jeweils mehr als 100 Hügeln beachtliche Nekropolen bildeten. Leichenverbrennung war üblich.
Ein zwischen Flochberg und Trochtelfingen neu entdecktes Gräberhügelfeld dokumentiert, dass die Angehörigen einer breiten, ärmeren Bevölkerungsschicht in flachen Urnengräbern zwischen den Grabhügeln bestattet worden sind.
Die unter Hügeln angelegten Gräber waren vor allem mit Keramik ausgestattet. Die Beigaben aus Metall sind spärlich. Trachtzubehör und Schmuck bestehen weiterhin aus Bronze. Für Geräte und Waffen wurde zunehmend Eisen verwendet.
Pferd und Wagen waren Attribute vornehmer Personen, die in hölzernen Grabkammern unter monumentalen Erdhügeln beigesetzt wurden. Beim Wagen wie beim Antennendolch handelte es sich um Statussymbole einer herrschenden Klasse. Im Ries ist bisher nur das Wagengrab aus der Hügelgruppe von Belzheim bekannt.

Hallstattzeit 750 - 450 v. Chr

Wie im ganzen Bereich der Hallstattzeit üblich, wurden auch im Ries Tongefäße reichlich verwendet und vor Ort hergestellt. In der Siedlung der Hallstattzeit auf dem Reimlinger Berg konnte ein Töpferofen nachgewiesen werden. Eine daneben liegende Grube war mit über zwei Zentnern fehlgebrannter Keramik aufgefüllt. Den besten Einblick in die Vielfalt der Hallstattkeramik liefern die Grabgefäße, die den Toten in reicher Zahl mitgegeben wurden. Geschirrsätze mit bis zu 20 Gefäßen waren keine Seltenheit. Der Formenschatz reicht von Tassen und Krügen über Teller, Schalen und Schüsseln bis zu großen weitbauchigen Kegelhalsgefäßen, die auf kleinen eingezogenen Standflächen balancierten. Sehr beliebt war rote bis braunrote Bemalung und glänzende Schwärzung durch Graphitierung. An plastischem Dekor erscheinen Riefen, Ritzlinien, Kerbschnitt und Stempelverzierung. Die Vertiefungen dieser Muster waren zum Teil weiß inkrustriert.

Hallstattzeit (750 - 450 v. Chr.)

Wie in den Gräbern, offenbart sich die soziale Differenzierung der Gesellschaft auch in den befestigten Höhensiedlungen, in deren Wällen sich die überreste mächtiger Trockenmauern verbargen. Großflächige Ausgrabungen hallstattzeitlicher Burganlagen fanden im Ries auf dem Goldberg statt. Von der Siedlung innerhalb der Mauer war ein großer Gebäudekomplex durch eine Palisade abgegrenzt. Wahrscheinlich war hier der Sitz des Burgherren, der jedoch nicht als "Fürst" anzusehen ist. Dagegen spricht die durchschnittliche Qualität des Fundstoffes. Noch vor dem Ende der Hallstattzeit wurde die Befestigung niedergebrannt. Anscheinend geriet in der späten Hallstattzeit eine Oberschicht aus Territorialherren in den Machtbereich aufstrebender "Fürsten". Ein Fürstensitz lag auf dem Bergkegel des Ipf, dessen Terrassierungen und Wälle zu den eindrucksvollsten Süddeutschlands zählen. Das auf dem Ipf gefundene Fragment einer griechischen Trinkschale ist ein Beleg für die weitreichenden Handelsbeziehungen, die die "Fürstenhöfe" der Hallstattkultur zum Mittelmeerraum unterhielten.

Latènezeit (450 - 15 v. Chr.)

Die ersten keltischen Münzen waren Nachahmungen makedonischer Prägungen von Philipp II. und seinem Sohn Alexander dem Großen. Im Lauf der Zeit "barbarisierten" die Münzbilder. Typisch sind die muldenförmig gebogenen Münzen, sog. "Regenbogenschüsselchen".
Der große Bedarf an Eisen für Waffen und Werkzeuge führte in keltischer Zeit zu lokaler Eisenverhüttung. Die Ortsteinhorizonte in Sandablagerungen des Ostrieses konnten ebenso zur Eisengewinnung genutzt werden, wie die Bohnerzkugeln, die als Einschlüsse in der tertiären Albüberdeckung vorkommen. In Form spitz ausgezogener Barren gelangte das Eisen als Halbfabrikat über den Handel an die weiterverarbeitenden Schmiede.

Latènezeit (450 - 15 v. Chr)

Das für keltische Männergräber Bayerns ungewöhnlich reich ausgestattete Grab barg eine Körperbestattung. Die Beigaben vertreten nicht die in Bayern üblichen Formen. Parallelen zur Schwertscheide, zum Ringgriffmesser, zur Keramik und zur Mitgabe eines Holzeimers sind dagegen im Mittelrheingebiet zu finden. Der in Holheim begrabene keltische Krieger war vermutlich ein Fremder.

Neues

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