Museum

Rieser Nachrichten vom 04.03.2003

Zur Eröffnung der diesjährigen Saison im Stadtmuseum grub Museumsleiterin Andrea Kugler Kleinodien aus, die wieder einmal beweisen, dass Kunst und Spaß gut vereinbar sind: Karikaturen von Johann Michael Voltz (1784 bis 1858), die durchaus etwas von der Klasse Wilhelm Buschs haben. Anfang des 19. Jahrhunderts sammelte der Nördlinger Künstler Johann Michael Voltz Arbeitserfahrungen in Augsburg und Nürnberg und fand schließlich im Münchener Campe-Verlag als Druckgraphiker Anstellung. Es war eine Zeit der Umbrüche, nach den Napoleonischen Kriegen etablierte sich der Deutsche Bund, Nationalgefühl kam auf, die Ideen der französichen Revolution wurden weitergetragen. Quasi als Gegengewicht zu den politischen Bewegungen hielt beim Militär und in den Amtsstuben rigides, althergebrachtes kleinstaatliches und kleinkariertes Denken die Stellung, buchstabenhörige Bürokratie erstickte jedes eigenständige Denken. Viele Menschen waren unzufrieden mit diesem Staatsapparat und gerieten überdies in der schnelllebigen Zeit in wirtschaftliche Schwierigkeiten - Parallelen zu heute sind also erkennbar. Für Museumsleiterin Andrea Kugler war denn auch die heutige Politikverdrossenheit und Verunsicherung der Menschen einer der Hauptgründe, den humorvollen Umgang damit zum Gegenstand einer Sonderausstellung zu machen. Johann Michael Voltz machte sich als Karikaturist über die die muffigen Verhältnisse lustig. Allerdings lasteten nach den Karlsbader Beschlüssen von 1819, die als Reaktionen auf Unruhen im Bürgertum erfolgten, verschärfte Zensuren auf Autoren und Künstlern. Voltz verlegte seine Kritik also ins imaginäre ?Krähwinkel? mit seinen skurrilen, aber harmlosen Bürgern. Die Karikaturen beinhalteten die relativ harmlose bildliche Darstellung damaliger Redensarten: So findet sich unter dem Ausstellungstitel ?Der Amtmann liegt in den letzten Zügen? ein Trunkenbold, der gerade die Schnapsflasche in einigen Zügen leert. Wörtlich genommen wird auch, wie die Ratsherren einen Bock schießen, der Bürgermeister die Sitzung aufhebt, indem er ein Sofa voller Stadträte lüpft oder, im militärischen Bereich, der General schwungvoll ?Fußvolk in die Festung wirft?. Obwohl er Nördlinger war, konnte Andrea Kugler in den dargestellten Typen keine ähnlichkeiten mit realen Honoratioren von Abbildungen jener Zeit finden. OB Paul Kling sah zwar Parallelen in der Situation Nördlingens mit der dargestellten Stadt von Voltz - wie die kommunale Finanznot - , unterstrich aber, dass sich Nördlingen trotz gewisser Missgeschicke nicht als Schildbürgerstadt zu fühlen brauche. Kling dankte Andrea Kugler, dass sie wieder ?einen kleinen Schatz gehoben? hätte und ehrte die kürzlich verstorbene Mäzenin Lucie Schlierf, die Nördlingens Kultur durch viele Schenkungen bereichert hatte.

 

Rieser Nachrichten vom 04.03.2003

Neues

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      Im Reihl-Haus zeigen Steindenkmäler wie z.B. der römische Weihestein Nördlinger Geschichte.  Besichtigung im Rahmen einer Stadtführung. Buchung Tourist-Info Tel. 09081/84-216.

    • Sebastian Taig

      Sebastian Taig ist neben Herlin und Schäufelin der dritte große Nördlinger Künstlername. Den Bericht über die jüngste Forschungsarbeit finden Sie hier.

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